„Ich bin gespannt, wie souveräne Staaten damit umgehen, dass Unternehmen wie Apple...

May 6 2010, 4:53pm

Blogger Ritchie Pettauer diskutierte beim »OBSERVER« Cercle mit Verleger Eugen Russ und „News“-Redakteurin Corinna Milborn.

Zu einem »OBSERVER« Cercle in dem es um nicht weniger als die Zukunft des Journalismus und der Medien ging, lud das Wiener Medienbeobachtungsunternehmen am 5. Mai in seine Räumlichkeiten. Am Podium diskutierten unter der Moderation von »OBSERVER«-Geschäftsführer Florian Laszlo der Verleger Eugen A. Russ vom Vorarlberger Medienhaus, Corinna Milborn, stellvertretende Chefredakteurin von „News“, sowie Blogger Ritchi Pettauer. Ebenfalls mit von der Partie war ein nigelnagelneues, aus den USA importiertes iPad, mit dem die Zuhörerschaft während der angeregten Diskussion andächtig interagierte und das natürlich auch am Podium für Gesprächsstoff sorgte. „Das iPad ist ein spannendes Gerät und es macht viel Spaß, aber ich glaube nicht, dass das iPad die Rettung für die Verlagshäuser sein wird“, eröffnete Verleger Eugen Russ, der auch nicht unerwähnt ließ, dass sein Verlagshaus die erste News-Applikation heimischer Provenienz für das iPad anbietet – und das lange bevor das iPad in Österreich überhaupt erhältlich ist. Auch Corinna Milborn von „News“ hält das iPad nicht für einen Heilsbringer für die Medienbranche, sondern für „einen neuen Vertriebsweg, der aber vom Leser refinanziert“ werden müsse. Bei der Verlagsgruppe News sei man in Vorbereitung einer iPad-App – in einem halben Jahr werde es dann so weit sein, wie Milborn betont. Nicht ganz einverstanden ist Milborn indes mit der „Zensurmacht aus Cupertino“, vor allem, weil sich die Frage stelle, ob die ganze Welt lange dabei zusehen werde, wie Apple entscheidet, was im iStore angeboten werde und was nicht. Ins gleiche Horn stieß Blogger Ritchi Pettauer: „Ich bin gespannt, wie souveräne Staaten damit umgehen, dass Unternehmen wie Apple oder auch Google ständig regulierend eingreifen.“

„Das Internet wird den Journalismus nicht ablösen!"

Die Rolle von Blogs auf der einen und von Journalismus auf der anderen Seite schätzen Bogger, Journalistin und Verleger recht unterschiedlich ein. Pettauer fühlt sich als Leser bei bloggenden Experten besser aufgehoben, als bei Journalisten und sieht deshalb „keine Konkurrenz zwischen klassischem Journalismus und Blogs“. Millborn hingegen gibt den Journalisten, die Inhalte vermitteln und einordnen können, den Vorzug: „Das Internet wird den Journalismus nicht ablösen. Es geht im Journalismus schließlich auch um Vertrauen zu bestimmten Marken.“ Verleger Russ brachte die „Huffington Post“ ins Spiel, die als Blog entstanden ist und heute mehr Leser als „New York Times“ und die „Washington Post“ gemeinsam hätten: „Wir haben es im Mediengeschäft heute einfach mit anderen Businessmodellen zu tun.“ Insgesamt waren sich Milborn und Russ einig, dass Qualitätsjournalismus wichtiger werde, dass man aber aufpassen müsse, wie man Qualität definiert, denn Qualität bedeute auch, Inhalte zu bieten, die sonst niemand zu Verfügung stelle – Stichwort: Regionalität. Milborn resümmierend: „Das Bedürfnis nach guten und gut recherchierten Geschichten wird es immer geben.“

Unter der Moderation von »OBSERVER«-Geschäftsführer Florian Laszlo diskutierten beim »OBSERVER«-Cercle zur Zukunft des Journalismus Corinna Milborn, stellvertretende Chefredakteurin von „News“, Blogger Ritchi Pettauer und Verleger Eugen A. Russ (Vorarlberger Medienhaus).