Linzerschnitte - tagged with kommentar http://linzerschnitte.at/feed en-us http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Sweetcron michael.kamleitner@gmail.com Die verschleierte Wirklichkeit http://linzerschnitte.at/items/view/5634/die-verschleierte-wirklichkeit

Warum weder die immensen staatlichen Zuwendungen an die katholische Kirche, noch die anderen Aspekte ihrer Machtausübung aufgegriffen und ernsthaft durchleuchtet werden, fragt Waltraud Prothmann. Nun gibt es also jede Woche aufgeregte Fernsehdiskussionen und Kommentare zur sexuellen Gewalt an Kindern. Geistliche, die angeblich nichts ahnten, fallen  betroffen aus allen Wolken und geben ihre bedauernden Lippenbekenntnisse ab. Ansonsten verstecken sie sich wie eh und je – unerträglich  monoton in der Wortwahl –  hinter abwehrenden und relativierenden Floskeln. Erstaunlich ist, dass es offenbar ein Thema gibt, mit dem man noch verschämter und heimlicher umgeht, als mit den sexuellen Verfehlungen: Den von allen Steuerzahlern, ob katholisch oder nicht, aufzubringenden Mitteln  zur Erhaltung und Verbreitung einer herzlosen Religion. Es gibt heute so gut wie kein Ressort, in dem nicht gespart werden muss. Wir haben uns täglich mit Abstrichen in sozialen, Gesundheits-  und  Bildungsbereichen abzufinden, wir hören oder lesen  aber keinen Ton, der etwa die fortwährende, hohe staatliche Zuwendung an eine Institution hinterfragte, die  ausschließlich der Verbreitung ihrer lebensfernen religiösen  Lehren dient. Die von den Gläubigen bezahlte Kirchensteuer – und das wissen viele Menschen nicht einmal –  ist ein verhältnismäßig geringer  Teil zur Erhaltung  dieses Systems. Zum größeren  wird es von allen Steuerzahlern finanziert. Auch von jenen, die von dieser Institution diskriminiert oder ausgeschlossen werden: Den wiederverheirateten Geschiedenen, den Homosexuellen, allen nicht katholischen Bürgern; und sogar von den entlassenen Lehrern, die den moralischen Anforderungen nicht mehr genügen, wenn sie  unverheiratet eine Lebensgemeinschaft eingegangen sind. Wie will eine demokratische Regierung die Fortführung  des Konkordats aus dem Jahr 1934 für ein System rechtfertigen, das auf allen Ebenen  versagt? Die eigentlichen, system-immanenten Fragen wurden bisher nicht  gestellt. Der Sturm der Entrüstung um die Verbrechen an Kindern scheint ein kurzweiliges Ereignis zu sein, das man mit einigen Vorschlägen zur Prävention kosmetisch abzuhandeln  versucht. Wo bleiben die Fragen nach den Menschenrechten: Des Rechts der in kirchlichen Diensten stehenden Menschen auf ihr eigenes Fühlen und Denken, Lieben und Träumen? Weiß man doch, dass eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung grundsätzlich  nur dann möglich ist, wenn in jedem Lebensabschnitt entsprechende Veränderungen zugelassen werden.  Stattdessen werden idealistische, unerfahrene, sehr  junge Männer veranlasst, heilige Eide und ewige Gelübde zu schwören, um sie bis in die fernste Zukunft verfügbar zu machen. Schon das ist ein grober Machtmissbrauch. Eine andere, zu wenig hinterfragte Verfehlung dieser Kirche ist die unglaubliche Verachtung der Frau, ihre Herabwürdigung zur „Magd des Herrn“. Wo kommen Frauen in katholischen (Knaben-)Internaten als Betreuerinnen und Erzieherinnen vor? Wo sind sie in der konfessionellen Hierarchie? Das erzwungene Fehlen aller weiblichen Fähigkeiten, z. B. einer intuitiveren Kommunikation; die Diskriminierung emotionaler Wärme; die Abwesenheit eines lebendigen, gleichberechtigten Dialogs zwischen männlichen und weiblichen pädagogischen Konzepten in kirchlichen Einrichtungen – wer verantwortet diesen eklatanten Mangel? Die Erziehung klerikalen, sexuell unterdrückten Männern  zu überlassen ist fahrlässig. Dass kirchliche Dogmen über Ehe, Familie und Sexualität in Bischofssynoden von einigen hundert alten Junggesellen beschlossen werden, ist lächerlich. Dass  tausende Mütter erpresst werden,  den zölibatären Vater ihres Kindes zu verschweigen, damit  sie von kirchlichen Stellen wenigstens Alimente bekommen, ist unmenschlich. Dass für diese Kinder die Begegnung mit dem Vater – wenn sie denn überhaupt je stattfindet -  meist eine heimlich verklemmte oder schambefleckte ist,  müsste für alle natürlich empfindenden  Menschen eigentlich unerträglich sein. Diese Männer müssten angehalten werden, ihre Verantwortung wahrzunehmen. In Wahrheit werden sie unter Druck gesetzt, die Liebespartnerin und das Kind zu verleugnen. Hat man je von einer Ombuds-Stelle gehört, an die sich diese Frauen und Kinder wenden könnten? Eine solche Kirche  dürfte von staatlicher Seite nicht  länger finanziert werden. Und der Staatsfunk sollte der scheinheiligen Selbstdarstellung einer solchen Führung kein Forum bieten. Es wäre besser und „christlicher“, die  immensen Zuwendungen zur Verbreitung einer autoritären Ideologie  für soziale Projekte zu verwenden und sie an die Gleichstellung von Mann und Frau, wie sie etwa in der evangelischen Kirche längst verwirklicht ist und an demokratische Spielregeln zu knüpfen. - Kinder werden nicht nur in Männerklöstern misshandelt: Als im Advent des Jahres 2007 in einer  Fernsehsendung das „Europakloster Gut Aich“ bei St. Gilgen vom amtierenden Prior als „heiliger und heilsamer Ort, wo Menschen immerzu gut und verantwortungsvoll gewirkt haben“ vorgestellt wurde, blieb mir einen Augenblick der Atem weg. Dann schrieb ich folgenden Brief an ihn: Ich war als Kind von acht Jahren etwa neun Monate in Gut Aich. Heute, nach mehr als fünfzig Jahren, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut, wenn ich mich diesem „heiligen Ort“ nähere. Die traumatischen Erlebnisse dieser Zeit haben jedes Vertrauen in den Sinn  einer religiösen Erziehung in mir ausgelöscht. Was unter dem Deckmantel einer christlichen Moral – wahrscheinlich aus reiner Unbewusstheit zutiefst frustrierter Nonnen – dort an Kindesmisshandlung geschehen ist, wäre heute zum Glück kaum mehr möglich ….. Ich persönlich verdanke meine Befreiung aus dieser Kinderhölle einem agnostisch eingestellten Arzt, der meine Mutter von der krank machenden Atmosphäre überzeugen konnte…..“ (Eine der harmloseren, aber durchaus erschreckenden „Stichproben“ an uns kleinen Mädchen bestand darin, uns nachts, wenn wir schliefen, plötzlich die Bettdecke weg zu reissen, um zu überprüfen, „wo wir unsere Hände hatten“). Der Prior rief mich zwar an und fand meine Erlebnisse bedauerlich. Aber glauben könne er mir nur, sagte er, weil er wisse, mit wem ich verheiratet sei. Mein Mann (!) sei für ihn vertrauenswürdig. Das Wesentliche steht nicht zur Debatte Eine Analyse des inneren Zustandes der klerikalen Kirche blieb bisher aus. Trotz der erschütternden Vergehen kann man keinen verantwortungsbewussten strukturellen Veränderungswillen erkennen, leider auch nicht seitens weltlich-politischer Ordnungsmächte. Denn wesentlich wäre, die Kirche im Hinblick auf die mühsam erworbenen  Menschen- und vor allem Frauenrechte zu hindern, sich ungeniert imaginärer, spiritueller Fantasien zu bedienen, um suchende Menschen in ihre Abhängigkeit zu bringen. Die Zeit ist reif, ihr den absurden Anspruch auf beamtete Wahrheiten und die Anmaßung der Unfehlbarkeit grundsätzlich abzusprechen. Das aber liegt in der Verantwortung des Staates! Man muss sich doch fragen, welche zutiefst patriarchalischen Muster über die kirchlichen Machtstrukturen hinaus in unserer Gesellschaft noch wirksam sind, da eine von Frauenverachtung und Angstmache durchzogene Institution in ihrer verkrusteten Form so fraglos weiter getragen wird. Nur demokratische, weltoffene Einrichtungen können ihre Bürger aus religiösen Umklammerungen befreien. Waltraud Prothmann Freie Journalistin Kommunikationspädagogin Salzburg

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Wed, 17 Mar 2010 08:47:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/5634/die-verschleierte-wirklichkeit
Zur Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime http://linzerschnitte.at/items/view/5403/zur-grundung-des-zentralrats-der-ex-muslime

Der Besuch der Menschenrechtsaktivistin und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland Mina Ahadi in Wien am 26. Februar 2010 ist ein willkommener Anlass diese Organisation auch in Österreich zu etablieren. Der nun gegründete Zentralrat der Ex-Muslime will einerseits bei Alltagsproblemen helfen, die dadurch entstehen, dass ihnen durch den Islam eine Lebenseinstellung durch psychischen Druck aufgezwungen wird, die mit den hiesigen Werten und Leben einfach nicht mehr zu vereinbaren ist. Auf der anderen Seite will er gegen jegliche Art von Verletzung der Menschenrechte, wie Zwangsheirat, Ehrenmorde, Steinigungen und Genitalverstümmelung aktiv werden und für diejenigen sprechen, die das in ihren Ländern nicht tun können.

Die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime und dessen Beitritt zu den Konfessionsfreien werden von letzteren nachdrücklich begrüßt. Damit hat der Zentralrat der Konfessionsfreien nun bereits schon fünf Trägervereine, die sich zu dieser Dachorganisation vereinigt haben.

Mit der Gründung der Ex-Muslime wird in Europa ein wichtiger Prozess in Gang gesetzt, der dahin zielt, dass die Prinzipien der Aufklärung auch den Islam erreichen können. Man darf nicht vergessen, dass erst vor weniger als 400 Jahren das Licht der Aufklärung uns alle von den althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien des damaligen Christentums befreit hat. Das hat uns in Europa erst Demokratie, Toleranz, Freiheit und die Menschenrechte gebracht. Dass das gegen den teilweise erbitterten Widerstand der Kirche geschah, ist allgemein bekannt. Auch das europäische Christentum konnte nur Dank der Aufklärung gezähmt werden. Es bedurfte schon der entschiedenen Absage des damaligen Christentums von außen, dass auch die innerkirchlichen Reformen eine Chance hatten, sich durchzusetzen. Mit dieser Doppelstrategie sollte es möglich sein auch die Reformenbestrebungen im Islam selbst zu unterstützen.

Die Ex-Muslime als auch Konfessionsfreie stimmen in folgenden Punkten überein:

In unserer Gesellschaft sollte jeder Mensch das Recht haben seine Meinung offen sagen können und ein freies Leben führen dürfen, das nicht durch überkommene Regeln der Religionen beschränkt ist. Das muss selbstverständlich auch für jene gelten, die zufällig in eine islamische Familie hinein geboren werden.

Wir dürfen auf Menschenrechtsverletzungen und demagogische Hetze gegen die Werte der Aufklärung nicht mit „falscher Toleranz“ reagieren. Daher muss man auch gläubigen Muslimen abverlangen, dass sie die Regeln der Demokratie, Aufklärung und des Rechtsstaats akzeptieren. Nur ein Teil der etwa 400.000 in Österreich lebenden so genannten „Muslime“ sind tatsächlich im Sinne des Islams gläubig. Eine nicht geringe Zahl müsste eigentlich zu den Konfessionsfreien gezählt werden und sollte daher auch nicht durch die Islamlobby repräsentiert werden.

Bislang wurde die Islamkritik von der rechten Szene und vom fundamentalen Christentum vereinnahmt. Das sollte nach der Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime nicht mehr so leicht möglich sein.

Zum Abschluss: „In den Reihen der Ex-Muslime findet man häufig jene ganz besonderen Menschen, die obwohl es unbequem und gefährlich ist, sich für die Prinzipien der Aufklärung und gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzen.“ Interview mit Cahit Kaya anlässlich der Gründung.

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Tue, 23 Feb 2010 23:46:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/5403/zur-grundung-des-zentralrats-der-ex-muslime
Zur Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime http://linzerschnitte.at/items/view/5409/zur-grundung-des-zentralrats-der-ex-muslime

Der Besuch der Menschenrechtsaktivistin und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland Mina Ahadi in Wien am 26. Februar 2010 ist ein willkommener Anlass diese Organisation auch in Österreich zu etablieren. Der nun gegründete Zentralrat der Ex-Muslime will einerseits bei Alltagsproblemen helfen, die dadurch entstehen, dass ihnen durch den Islam eine Lebenseinstellung durch psychischen Druck aufgezwungen wird, die mit den hiesigen Werten und Leben einfach nicht mehr zu vereinbaren ist. Auf der anderen Seite will er gegen jegliche Art von Verletzung der Menschenrechte, wie Zwangsheirat, Ehrenmorde, Steinigungen und Genitalverstümmelung aktiv werden und für diejenigen sprechen, die das in ihren Ländern nicht tun können.

Die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime und dessen Beitritt zu den Konfessionsfreien werden von letzteren nachdrücklich begrüßt. Damit hat der Zentralrat der Konfessionsfreien nun bereits schon fünf Trägervereine, die sich zu dieser Dachorganisation vereinigt haben.

Mit der Gründung der Ex-Muslime wird in Europa ein wichtiger Prozess in Gang gesetzt, der dahin zielt, dass die Prinzipien der Aufklärung auch den Islam erreichen können. Man darf nicht vergessen, dass erst vor weniger als 400 Jahren das Licht der Aufklärung uns alle von den althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien des damaligen Christentums befreit hat. Das hat uns in Europa erst Demokratie, Toleranz, Freiheit und die Menschenrechte gebracht. Dass das gegen den teilweise erbitterten Widerstand der Kirche geschah, ist allgemein bekannt. Auch das europäische Christentum konnte nur Dank der Aufklärung gezähmt werden. Es bedurfte schon der entschiedenen Absage des damaligen Christentums von außen, dass auch die innerkirchlichen Reformen eine Chance hatten, sich durchzusetzen. Mit dieser Doppelstrategie sollte es möglich sein auch die Reformenbestrebungen im Islam selbst zu unterstützen.

Die Ex-Muslime als auch Konfessionsfreie stimmen in folgenden Punkten überein:

In unserer Gesellschaft sollte jeder Mensch das Recht haben seine Meinung offen sagen können und ein freies Leben führen dürfen, das nicht durch überkommene Regeln der Religionen beschränkt ist. Das muss selbstverständlich auch für jene gelten, die zufällig in eine islamische Familie hinein geboren werden.

Wir dürfen auf Menschenrechtsverletzungen und demagogische Hetze gegen die Werte der Aufklärung nicht mit „falscher Toleranz“ reagieren. Daher muss man auch gläubigen Muslimen abverlangen, dass sie die Regeln der Demokratie, Aufklärung und des Rechtsstaats akzeptieren. Nur ein Teil der etwa 400.000 in Österreich lebenden so genannten „Muslime“ sind tatsächlich im Sinne des Islams gläubig. Eine nicht geringe Zahl müsste eigentlich zu den Konfessionsfreien gezählt werden und sollte daher auch nicht durch die Islamlobby repräsentiert werden.

Bislang wurde die Islamkritik von der rechten Szene und vom fundamentalen Christentum vereinnahmt. Das sollte nach der Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime nicht mehr so leicht möglich sein.

Zum Abschluss: „In den Reihen der Ex-Muslime findet man häufig jene ganz besonderen Menschen, die obwohl es unbequem und gefährlich ist, sich für die Prinzipien der Aufklärung und gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzen.“ Interview mit Cahit Kaya anlässlich der Gründung.

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Tue, 23 Feb 2010 23:46:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/5409/zur-grundung-des-zentralrats-der-ex-muslime
Buch von John Gray: Politik der Apokalypse http://linzerschnitte.at/items/view/5073/buch-von-john-gray-politik-der-apokalypse

John Gray propagiert mit diesem Buch zwar nicht explizit die Notwendigkeit einen Staat laizistisch zu gestalten, aber er führt diese dennoch klar vor Augen. Deswegen gibt es an dieser Stelle einmal eine Buchrezension. John Gray: Politik der Apokalypse. Wie Religion die Welt in die Krise stürzt (Klett-Cotta) Ist der Westen legitimiert in einen souveränen Staat, wie den Irak einzumarschieren, um seinen etatistischen Erlösungsmythos einer liberalen Demokratie mit Gewalt zu exportieren? Punkto Titel und v. a. Untertitel hat sich die Übersetzung etwas zu weit vorgewagt: “Black Mass. Apocalyptic Religion and the Death of Utopia” heißt es im Original und v. a. der letzte Teil bringt zum Ausdruck worum es Gray tatsächlich geht, nämlich nicht vorzuführen, dass Religion die Politik zur Apokalypse treibt, geschweige denn Religionskritik an sich zu üben, sondern zu zeigen, dass politische Utopien an ihr Ende gelangt sind. Als Ursprung der modernen, politischen Utopien, vom Historischen Materialismus zum Neoliberalismus und neokonservativen Ideologien benennt er den neutestamentlichen, christlichen Endzeitmythos (laut Gray ein fragwürdiges Geschenk des Christentums), der sich nach der Aufklärung in säkularer Tarnung wiederholt und in den Politreligionen des 20. Jahrhunderts (Nationalsozialismus, Stalinismus, Maoismus) gipfelt. Mit dem Irakkrieg (Bush: “Gott befahl mir…”) und dem Versuch eines v. a. amerikanischen Imperialismus liberale Demokratie mit Gewalt über die Welt zu verbreiten sieht er den Tod der Utopie gekommen. Grays Beweisführung ist in sich schlüssig, allerdings so umfassend, dass er praktisch alles und jeden attackiert und moderne Philosophie entweder als grobschlächtig, naiv, mindestens aber als utopistisch verblendet brandmarkt. Auch säkulare Staatsführung und humanistisches Denken bezögen sich letztendlich nur darauf, was sie ablehnen oder hingen Erlösungsgedanken in anderer Form an. Sein Gegenentwurf eines pragmatischen, unteleologischen Realismus kommt über eine kurze Skizze in seiner sonst klaren Analyse nicht hinaus. (Niko Alm)

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Sun, 24 Jan 2010 11:30:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/5073/buch-von-john-gray-politik-der-apokalypse
Die ganze Woche widmet sich der Kreuzdebatte http://linzerschnitte.at/items/view/4480/die-ganze-woche-widmet-sich-der-kreuzdebatte

Die ganze Woche stellt die Frage: Sollen die Kreuze aus den Schulklassen? Niko Alm (Ja) und Josef Pühringer (Nein) haben dazu Antworten formuliert.

Text in Die ganze Woche 46/09: Kreuze haben in öffentlichen Gebäuden (Kindergärten, Schulen, Gerichten und so weiter) nichts verloren. Speziell in Schulen ist das Anbringen eines Kruzifix‘ aus mehreren Gründen problematisch. Zwar ist es gesetzlich vorgeschrieben, bei einer Mehrheit an Christen ein Kreuz aufzuhängen, aber sind Kinder tatsächlich einer Religion zugehörig? Eltern legen das Religionsbekenntnis der Kinder fest. Erst mit 14 gelten Menschen in diesem Land als religionsmündig. Bis dahin werden sie in verschiedene Religionsunterrichte gesteckt und künstlich auseinanderdividiert. Die in der Regel christliche Mehrheit der Kinder wird privilegiert, weil sie den alleinigen Anspruch auf religiöse Symbole in Klassenzimmern hat und es wäre nur folgerichtig an dieser Stelle Staat und Religion sauber zu trennen und auf religiöse Symbolik in Schulen zu verzichten. Der zweite und wichtigere Punkt betrifft aber die Vereinbarkeit von Glauben und Wissensvermittlung. Bildung lebt von Skepsis und kritischer Neugier. Das Kreuz steht für unkritisches Glauben, für die Unterweisung in Ritualen und Mythen. Dafür darf die Schule keinen Platz bieten. Ein Kommentar zum Kommentar auf alm.at

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Sat, 28 Nov 2009 15:27:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/4480/die-ganze-woche-widmet-sich-der-kreuzdebatte
Das Kreuz im Klassenzimmer für einen einzigen Schüler? http://linzerschnitte.at/items/view/4376/das-kreuz-im-klassenzimmer-fur-einen-einzigen-schuler

Die Zahl der Österreicher ohne Konfession beträgt nun schon über 1,8 Millionen und wächst mit fast 100.000 zusätzlichen Konfessionslosen pro Jahr rasant an. Aber wie steht es mit den Konfessionen der jungen Generation, insbesondere im Klassenzimmer? Dazu soll folgender bildhafter Vergleich dienen: Durchschnittliche konfessionelle Zusammensetzung einer österreichischen Schulklasse mit 25 Schülern (über 16 Jahre, gemittelt und gerundet): Römisch-katholisch: 16 Schüler Andere Christliche (Evangelisch, Ostkirchen, …): 1 Schüler Muslime: 1 Schüler Konfessionslos: 7 Schüler Allerdings geht nur ein Einziger der 16 römisch-katholischen Schüler auch in die Kirche. Die anderen haben offensichtlich zumindest mit der Amtskirche nichts mehr am Hut. Verwendete Unterlagen: 1) Konfessionen in Österreich: http://twitpic.com/p7vtp

2) F. Höchtl, Missionsland Österreich oder Wie katholisch ist Österreich?: http://bit.ly/608J4T

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Sat, 21 Nov 2009 17:51:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/4376/das-kreuz-im-klassenzimmer-fur-einen-einzigen-schuler
Keine Kreuze in Italiens Klassenzimmern mehr http://linzerschnitte.at/items/view/3985/keine-kreuze-in-italiens-klassenzimmern-mehr

Kreuze in Klassenzimmern widersprechen den Prinzipien eines laizistischen Staates. Kreuze in Klassenzimmern verletzten das Rechter der Schüler_innen auf Religionsfreiheit, meint nun auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Auszug aus dem Pressetext des European Court of Human Rights: The State was to refrain from imposing beliefs in premises where individuals were dependent on it. In particular, it was required to observe confessional neutrality in the context of public education, where attending classes was compulsory irrespective of religion, and where the aim should be to foster critical thinking in pupils.

…where the aim should be to foster critical thinking in pupils…

Das sieht die Republik Österreich nach wie vor anders. Hier sind Kreuze erlaubt und erwünscht. Das Religionsunterrichsgesetz sieht in seinem §2b Folgendes vor: “(1) In den unter § 1 Abs. 1 fallenden Schulen, an denen die Mehrzahl der Schüler einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, ist in allen Klassenräumen vom Schulerhalter ein Kreuz anzubringen. ” Diese Sonderstellung widerspricht der Laizität. Sie räumt der Mehrheit ein paar weniger Religionen ein Privileg ein. Links

derStandard.at DiePresse.com religion.orf.at

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Wed, 04 Nov 2009 08:33:00 +0100 http://linzerschnitte.at/items/view/3985/keine-kreuze-in-italiens-klassenzimmern-mehr
Blogistan Panoptikum KW28 2009 http://linzerschnitte.at/items/view/2744/blogistan-panoptikum-kw28-2009

Überschätzungen, Unterschätzungen, grobe und feine Schätzungen: wenig Genaues weiß man. Während sich der eine übers tausendste Mash-Up freut, warnt der andere vor blinder Technikverliebtheit. Aber das Netz lebt bekanntlich von Gegensätzen, also keine Scheu: treten Sie ein zum kleinen geführten Wochenrundgang durchs Social Web – Judith Denkmayr aka Linzerschnitte und datadirt präsentieren das Web 2.0 Ereignisprotokoll der letzten 168 Stunden.

Du sollst eine Suchmaschine haben neben Google Chris Andersons neues Buch “Free” Erschieß den Fail-Whale! Google versus Facebook “Future of Blogging” Mindmap Von Browsern und Betriebssystemen Endlich sagt mal einer, Twitter sei vollkommen überbewertet 6 Lifestream-Lösungen Den Kunden in den Mittelpunkt stellen? Twitter Addict? Foto der Woche Linzerschnittes Video der Woche datadirts Video der Woche

Du sollst eine Suchmaschine haben neben Google Und wir sprechen hier nicht von Bing oder Yahoo Search. Nicht mal von Cuil – da hätte Stephen mal lieber bei Mathematica bleiben sollen. Aber Wired meint, es gibt sie doch – die coolen Suchmaschinen: For this article, we surveyed some 50 specialty search services and picked out our favorites. What follows is not a systematic ranking or review, but a general guide to a very vibrant world that few have bothered to explore in depth. The variety of search startups is mind-boggling, and hints at the challenges Google may face staying on the bleeding edge of search innovation in the coming years. (There’s even something for micro-philanthropists: Good Search donates a penny to the charity of your choice for each search you run.) Wer also trotz aller Variationen das Big-G Logo einfach nicht mehr sehen kann, der werfe eine Blick auf IceRocket, Scoopler, Collecta und Co.: da gibt’s einiges an guten Ideen, aber eben ziemlich weit-verstreut. Chris Andersons neues Buch “Free” Ergänzend zur letzten Woche hier der Link zum Audiobook Free von Chris Anderson, das konsequenterweise ebenso wie das eBook als Gratis-Download erhältlich ist. Erschieß den Fail-Whale! Wer schon mal Moorhuhnjagd gespielt hat, dem wird Die Fail Whale! auf Anhieb bekannt vorkommen. Gefragt sind ein flinker Mauszeiger und der richtige Rhythmus – wer nicht aufs Nachladen vergisst, sollte es durchaus schaffen, meinen bescheidenen Score von 33 Walen zu toppen, oder?

PS: Allein schon die Fake-Testimonials sind definitiv einen Besuch der Seite wert, z.B. Michael Arrington, TechCrunch: “I offered to trade this game for my website, but Die Fail Whale said no. Now I’m sad.” Google versus Facebook Eine interessante Theorie über Facebook veröffentlichte diese Woche Fred Vogelstein im Wired Magazine. Im Hause Facebook sah man niemals andere Social Networks als Benchmark, sondern ausschließlich Google. So erzählt ein früherer Programmierer von Facebook: We never liked those guys. We all had that audacity, ‘Anything Google does, we can do better.’ No one talked about MySpace or the other social networks. We just talked about Google. Darum bekam auch Microsoft den Zuschlag als Investor. Fred Vogelstein erklärt außerdem noch den “4-Stufen-Plan zur Online Domination” von Facebook: 1. Build a critical Mass (mit 200 Millionen FB-Mitglieder kann man diesen Punkt für nahezu abgeschlossen betrachten) 2. Redefine Search (Facebook geht davon aus, dass FB Mitglieder auch eine Facebook Suche nutzen würden) 3. Colonize the Web (Facebook Connect bildet dazu den Ausgangspunkt und wird bereits von über 10.000 Partner Sites benutzt) 4. Self targeted Ads, everywhere (Facebook hoffe, eines Tages nicht nur auf der eigenen sondern auf allen Partner Sites werben zu können) Nun, man darf gespannt sein, ob Mark Zuckerbergs Plan aufgeht – schließlich sollte Mark die Stromrechnungen früher oder später nicht mit Investorengeld, sondern mit laufenden Einnahmen finanzieren. “Future of Blogging” Mindmap Steve Rubel fordert zum kollektiven Mind-Mappen auf – er möchte wissen, wie’s um die Zukunft des Bloggens bestellt ist. Ohne Zweifeln nehmen Social Networks, Microblogging-Dienste und andere Services immer mehr Surfer-Zeitbudget in Anspruch – wie wirken sich die Änderungen auf Blogs aus? Was vor drei Jahren noch super-schnell News waren, lahmt im Twitter-Zeitalter ganz gewaltig. Steve sieht die Sache übrigens recht binär: From my point of view, blogging’s future will likely flow down one of two paths: either it will evolve and grow into something else (like many species have) or it will succumb to Darwinism and become extinct (like the Dodo). Let’s take a closer look at each. We’ll also give you the chance to add your own opinion to our mind map. PS: es gibt 10 Arten von Usern: die, die das Binärsystem kennen, und jene, die es nicht kennen. Von Browsern und Betriebssystemen What is a Browser? Newsfeed, Sharefeed, Livestream, Aggregator, Plugin, Extension, Firefox, Spreadsheet, Poke/n, SEO/SEM, Backlinks, RSS, Feedreader, Tweet, Gadgets…. Die meisten Leser dieses Blogs kennen diese Begriffe, manche von uns werfen sogar oft und gerne mit diesen Begriffen um uns. Aber eine elaborierte Soziolekt grenzt bekannterweise nicht nur ab, sondern auch aus. Ji Lee von Google (Trackback http://pleaseenjoy.com/) zeigt in diesem Video am Beispiel des good old “Browsers”, wie weit der Großteil der Menschen wirklich mit der Netz-Fachsprache vertraut ist:

Da offensichtlich die wenigsten Menschen wissen, was nun eigentlich ein Browser ist (noch weniger, was Google Chrome ist), stellt sich die Frage, ob die frommen Wünsche von Eric Schmidt sich erfüllen werden. In einem Interview mit bloomsberg.tv meinte er nämlich, auf die Frage, wie viele Menschen das neuen Betriebssystem Google Chrome OS verwenden werden: We don’t have numbers, we know it will be millions. Abermals bleibt nur zu sagen: Man darf gespannt sein. Endlich sagt mal einer, Twitter sei vollkommen überbewertet David Golumbia ist ein Ketzer. Ein Abtrünniger, der im Mittelalter leicht hätte auf dem Scheiterhaufen landen können bei so viel Devianz von der Mainstream Meinung – näher betrachtet hat sein Kommentar zur Rolle des Microblogging-Vögelchens im Iran-Konflikt aber durchwegs was für sich: Ich bezweifle, dass Twitters Wirkung für die Proteste wirklich so großartig war, wie viele Leute das gerne hätten. Vielleicht handelt es sich einfach nur um Werbung für Twitter. Der Kulturkritiker und Programmierer bezeichnet sich selbst als “von marxistischen Denkweisen beeinflusst” und wirft der Netzgeneration allzu starke Technikverliebtheit, die den Fokus aufs Wesentliche verstelle, vor: Genau genommen hat der starke Fokus auf den technischen Aspekt die ernsthafte Debatte über das, was wirklich geschieht, sogar gestört. Die Technik-Fans glauben, dass man soziale Probleme mit digitalen Mitteln lösen kann. Nur die allerwenigsten beschäftigen sich allerdings mit den komplexen sozialen Problemen, für deren Lösung man neue Ideen benötigt. Den Rest des äußerst lesenswerten Interviews, das Johannes Boie mit David Golumbia geführt hat, gibt’s in der Süddeutschen. 6 Lifestream-Lösungen Ein sogenannten “Lifestream” fasst die übers Social Web verstreuten Kommentare, Uploads, Likes etc. eines User an zentraler Stelle zusammen – ich verwende dafür das Lifestream-Plugin von iBegin, das den Feed in der rechten Spalte auf der Startseite generiert und bin mit dieser Lösung sehr zufrieden – allerdings benötigt man dazu eine WordPress-Installation als Host. The Next Web stellt in einem lesenswerten Beitrag sechs verschiedene Lösungen – vom Full-Service Provider bis zum Self-Hosted-CMS – vor, bei denen jeder fündig werden sollte. Den Kunden in den Mittelpunkt stellen? Thomas Knüwer wäre bei einer Vodafone-Pressekonferenz gegen seinen Willen beinahe erleuchtet worden, als man ihm erklärte, dass zukünftig der Kunde, eine wahrer “Held des Alltags”, im Mittelpunkt stehen werde. Ein Musterbeispiel an Buzzword-Dropping und Pressekonferenz How-Not-To: Das Bild, das sich bot, war erschreckend. Denn die Veranstaltung war in einem Anfall von Tanja-Anja-Coolness in einen Truck verlegt worden, in dem als Sitzgelegenheiten rückenbeugende Hocker vorhanden waren, auf denen nun die Journalisten – weil sie ja mitschrieben – ein Bild von eifrig notierenden, devot buckelnden Schreibknechten boten. Dies allein war schon schlimm. Noch fürchterlicher wurde es durch die nicht enden wollende Flut dümmlicher Buzzwords, mit denen die Vodafoner um sich warfen, gepaart mit Folien in einer Commodore-64-Nostalgie-Optik. Twitter Addict? Schon mal vom Klo aus getwittert? Nein ?! Dann sind Sie auch kein Twitter Addict! Oder doch? Sinnfreie aber lustige twitter-related Webapp der Woche: How addicted to Twitter are you? Foto der Woche The Punisher nennt Chris Rooker dieses großartige Foto seines VW-Busses. Antropomorphismus in Reinkultur Auf FlickR gibt’s auch eine zweite, weniger stark bearbeitete Version des Bildes:

Linzerschnittes Video der Woche Es gibt zu wenig Katzenvideos im Internet. Denn es kann nie genug davon geben.

datadirts Video der Woche Klappe die erste! Die subtilen Nuancierungen so mancher Jobs werden von der unwissenden Allgemeinheit nur allzu leicht unterschätzt – wie dieser Clapper zu berichten weiß:

Und damit sind wir auch schon wieder bei der letzten Kammer des dieswöchigen Shaolin-Kurses angelangt – nächste Woche, hochverehrte Leserinnen und Leser, gibt’s hier auf datenschmutz nicht nur die gewohnten Tiere und Artisten, sondern auch Gewinnspiel-Sensationen im Doppelpack. Einen schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen! Haben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten? Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

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Sun, 12 Jul 2009 23:51:00 +0200 http://linzerschnitte.at/items/view/2744/blogistan-panoptikum-kw28-2009
Blogistan Panoptikum KW22 2009 http://linzerschnitte.at/items/view/2729/blogistan-panoptikum-kw22-2009

Herzlich willkommen zum Blogistan-Panoptikum – vor lauter Feiertagen vergehen die Wochen ja nahezu im Flug, aber das hält eifrige Blogger natürlich nicht vom Berichterstatten ab, ganz im Gegenteil. Noch dazu bei diesen sibirisch-verschärften Außenbedingungen… dabei hatten uns die EU-Spitzenkandidaten doch einen super-heißen Mai versprochen. Aber wenn’s draußen kalt ist, dann kann man sich aus den diversen werblichen Print-Produkten und anachronistischen Tageszeitungen wenigstens ein wärmendes Feuerchen anzünden. Ganz ehrlich, kein Mensch braucht im Internetzeitalter mehr Tageszeitungen, die ganze Journalismus-Qualitäts-Debatte können wir Crowdsourcer uns doch endgültig schenken. Außer Datum – die einzige löbliche Ausnahme im von Falter-Meinungs-Monopolen geplagten Bobo-Österreich. Im Übrigen bin ich der Meinung, Armin Thurnherrs internet-feindliche Haltung gehört zerschlagen.

Google bringt Wave Trending Topics gekapert! Heißt du wirklich so? Gratulation zum 35., Mr. Shoemoney! Wieviel ist ein Micro-Scobble? Werner, die Russen sind da Die fünf nuttigsten Hochzeitskleider ever SEO-News der Woche

Wie SMO nicht funktioniert Google Suggest nutzen

Video der Woche Foto der Woche

Google bringt Wave The buzz is on – im Lauf des Jahres will Google sein neuestes Produkt “Wave” veröffentlichen – es soll nicht mehr und nicht weniger tun, als unseren Umgang mit Kommunikation und Kollaboration im Web nachhaltig zu verändern. E-Mail, Kontakte, Social Networks – Wave will die Grenzen zwischen Dokument und Dialog verschwimmen lassen: A wave is equal parts conversation and document. People can communicate and work together with richly formatted text, photos, videos, maps, and more. A wave is shared. Any participant can reply anywhere in the message, edit the content and add participants at any point in the process. Then playback lets anyone rewind the wave to see who said what and when. A wave is live. With live transmission as you type, participants on a wave can have faster conversations, see edits and interact with extensions in real-time. Erste Eindrücke und Screenshot kann man hier begutachten, potentiell Beta-Tester können sich mal für einen Account vormerken lassen. Wave wird übrigens komplett unter der Open Source Lizenz stehen – diese ausführliche Präsentation von der Google I/O macht mir jedenfalls den Mund wässrig: Click here to view the embedded video. Trending Topics gekapert! “But all good things, they say, never last”, sang Prince. Und nun sagt TechCrunch das gleiche über Twitters “Trending Topics”: Up until recently, Twitter’s trending topics – which are prominently displayed on their Search homepage and now also in the sidebar when you’re using the Twitter website – were an awesome way to get a feel of what was buzzing on the Web, in a way that virtually no other web service was able to do. Aber dann kamen die Piraten und Michael war ordentlich beleidigt! Today, when you look at Twitter’s trending topics, you’ll notice that the large majority of trends are memes started by a single user or a group of users, with the main goal offering entertainment rather than spreading information. That’s all fine and dandy – no harm in having fun – and I realize well that Twitter’s trending topics are not necessarily required to be giving you and me an overview of stuff that really matters, but I can’t help but think it’s a pity that that list is starting to turn into the top 10 of chain letters people used to circulate through e-mail messages in the late nineties. Ach liebes fliegendes Spaghetti-Monster, ich bete zu dir jeden Tag darum, dass mehr Menschen einsehen mögen, dass es mehr Spaß macht, Social Media Plattformen zu manipulieren als deren Regen einzuhalten… Heißt du wirklich so? Amerikanische Ureinwohner tragen häufig sprechende Namen wie “Robin kills the Enemy”: der steht zwar in ihrem Pass, bringt aber auf Facebook Probleme mit sich, ebenso wie exotische Namen á la “Lisa Strawberry” – denn laut AGBs verlangt FB den richtigen Namen und legt bei Verdacht auch gerne mal unbegründet Accounts stillt, wie der Spiegel online berichtet: Alicia Istanbul wurde zum Verhängnis, dass sie einen ungewöhnlichen Namen hat. Und Facebook hat gerade eine Kampagne gestartet, alle “fake accounts” zu löschen, also Nutzerkonten, die nicht wie gefordert den richtigen Namen angegeben haben. Für dieses Anliegen hat Istanbul ja Verständnis. Aber ganz und gar nicht verstehen kann sie, warum Facebook sie nicht einfach gefragt hat. “Sie sollten vorher wenigstens einen Warnhinweis schicken”, klagt sie. “Ich war dort den ganzen Tag unterwegs. Ich habe mein gesamtes soziales Netz darauf angelegt. Und das ist es ja schließlich, was Facebook auch will.” Zwar werden die Konten im Ernstfall nach Support-Intervention wieder freigeschalten, allerdings kann das bei 850 Mitarbeitern und Millionen Usern schon mal ein Weilchen dauern. So selten dürften derartige Fehlalarme übrigens gar nicht vorkommen – FB-Sprecher Barry Schmidt räumte Probleme ein, die Gruppe Facebook: don’t discriminate against Native surnames!!! hat bereits über 4.000 Mitglieder. Schwierige Sache: einerseits will Facebook natürlich keine ressourcen-fressenden Fake-Accounts, andererseits entstehen dadurch für die Träger exotischer Namen derartige Kollateralschäden. Gratulation zum 35., Mr. Shoemoney! Jeremy Shoemaker wurde diese Woche 35 – herzliche Gratulation! Von keinem anderen US-Blogger habe ich mehr über Online-Marketing und Affiliate-Biz gelernt… keep up the good work! Auch einen Blick wert: das Friendshirt der Woche, diesmal von Friendshirt.me. Und die Kommentare sind ziemlich eindeutig… ich würd drauf wetten, dass da in der nächsten Zeit einige Bestellungen eingehen! Ich hab mein Friendshirt ja schon
Wieviel ist ein Micro-Scobble? Robert Scobble ist Web 2.0 Evangelist und Twitter-Legende. Das Disqus Blog hat ein Interview mit dem Mann, dessen Nachname Pate stand für die Benennung der internationalen Tweet-Frequenz-Einheit “Micro-Scobble”, veröffentlicht: I grew up in silicon valley, I had no choice. My Dad was an engineer and I grew up in Cupertino about a mile from Apple Computers. I had an Apple Computer in 1977, in my junior high I was in the first computer club , and I got a tour of Apple when they were one little building. So yeah, I’ve always been around tech. Werner, die Russen sind da Dass Facebook viel mehr Geld verbrennt als die Werbungen reinbringen, dürfte mittlerweile wohl bekannt sind. Munter geht die Suche nach neuen Investoren weiter -einen fand man in Form von Digital Sky Technologies. Die russische Internet-Investment Firma gab 200 Millionen Dollar für 1,96% Anteil an Facebook aus, wie die New York Times berichtet: Digital Sky won because its founders Yuri Milner and Gregory Finger have strong experience running Internet properties in Eastern Europe and Russia, and “a deep, advanced understanding” of social networking technology, Zuckerberg said. Pikantes Detail am Rande: Cheffe Zuckerberg gibt sich zwar ganz lässig, dürfte aber wissen, dass die Gesamtbewertung des Unternehmens in den nächsten Monaten wohl ziemlich nach unten rasseln wird. Der Gesamtwert beträgt derzeit übrigens sagenhafte 10 Milliarden Dollar, als Microsoft 2007 für 240 Millionen Dollar lediglich 1,6 Prozent erwarb, lag der Unternehmenswert noch um ein Drittel höher. Tja, Analysten sind halt auch ganz schön launisch. Die fünf nuttigsten Hochzeitskleider ever Danke an Judith, die mich auf diesen großartigen Beitrag über die Top 5 Sluttiest Wedding Dresses Spotted In 2009 hingewiesen hat. Auch wenn es mir fast das Herz bricht, dass Miss Carey nicht mehr Single ist, eines muss man ihr lassen: mit ihrem Gefühl für Styling könnte sie in jedem Bordell dieser Welt sofort einen Job bekommen – und der Hochzeitsbikini ist auch nicht übel. Das muss man gesehen haben: The Mariah Carrey slutty wedding dress certainly doesn’t leave anything to the imagination. Fully equipped with garter belt, stockings, and a main fashion piece better off worn under the dress or on the wedding night, this dress starts us off with its moderately tame slutty fashion. SEO-News der Woche Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo: das legt zumindest eine aktuelle Studie über das Thema Suchmaschinen Branding. vs. Suchmaschinenqualität nahe: So haben die Mannen rund um Google einen internen Versuch durchgeführt, bei dem die Suchergebnisse konkurrierender Suchmaschinen wie z.B. Yahoo, MSN/Live, Cuil, Ask, AltaVista, etc. in das Seitenlayout von Google gegossen und Testpersonen vorgesetzt wurden. Zum Vergleich wurde dieses Spielchen natürlich auch in umgekehrter Weise durchgeführt, wobei die Google-Suchergebnisse in das Layout von fremden Suchmaschinen integriert wurden. Das Ergebnis: Die Probanden empfanden immer die Suchergebnisse als besser, über denen das Google-Logo platziert war! Manches lässt sich aber auch experimentell überprüfen, wie etwa der Canonical-Tag – Stefan hat seine höchst aufschlussreiches Versuchsprotokoll hiezu dokumentiert – unbedingt lesenswerter Beitrag! Apropos Kopien: die Seouxindianer haben 10 einfache Linkbaits zum Kopieren bereitgestellt. Und in der Tat: die genannten Rezepte wirken nachhaltiger als alle Russenlinks dieser Welt
Wie SMO nicht funktioniert Bei den Seouxindinaner habe ich auch noch einen zweiten Beitrag gefunden, den sich potentielle Social Media Cowboys unbedingt vor allfälligen Pistolen-Duellen zu Herzen nehmen sollten, gefunden: Wie SMO nicht funktioniert beschreibt die häufigsten Fehler und ich kann jeden einzelnen Punkt nur vollauf unterstreichen. Beispiel gefällig? Den Usern freie Hand lassen funktioniert nicht. Wer seine Firma in Social Media Portalen nicht selbst präsentiert, der gibt unzufriedenen Nutzern und der Konkurrenz die Chance “ihre Meinung” als einzig vorhandene einzureichen. Wenn die ersten Inhalte aber von der eigenen Firma gestellt werden, ist der erste Eindruck durch kontrollierte Publikation gerettet. Google Suggest nutzen Google Suggest wirft in der Tag einiges über den Haufen: Google Suggest ist wohl die größte Änderung, die uns Google in den letzen Monaten präsentiert hat. Nicht nur, weil Suggest von der breiten Usermasse aktiv genutzt wird, sondern auch weil es ein paar Erkenntnisse der Vergangenheit über den Haufen wirft. So führt die aktive Nutzung zu einer massiven Verschiebung der Suchvolumen von Ein-Wort-Kombinationen hin zum Longtail. Und der Preis für den charmantesten-Insider-Slang des Monats geht an den selben Beitrag: Der User sucht trotzdem dasselbe, er geht nur evt. einen anderen, direkteren Weg. In der Folge heißt dies, dass es abermals schwerer wird, dem User Inhalte unterzujubeln, die er eigentlich gar nicht sehen möchte. Also heißt es, den User genauer zu studieren und seine Wünsche zu kennen. Video der Woche Normalerweise poste ich an dieser Stelle keine Werbeclips, aber Peter Novak hat mit dieser Redhat-Linux Werbung einen fantastischen Job gemacht! Der geht raus an die Open Source Community weltweit:

Foto der Woche Die bewegten Bilder der Woche werden ab sofort in jedem Panoptikum um die Foto-Rubrik ergänzt: das Bild der Woche suche ich nach rein subjektiven Kriterien aus – seit ich selbst recht viel mit meiner digitalen SLR hantiere, weiß ich, wie schwierig es ist, perfekte (HDR)-Belichtungen zustande zu bringen. Die Auswahl ist mir bei der Premiere gar nicht leicht gefallen, aber diese Abendstimmung im Manasquan Reservoir von Joisey Showaa finde ich fantastisch:

Und das war’s auch schon wieder für diese Woche – danke fürs Vorbeisurfen, wir lesen uns am Montag! Haben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten? Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

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Sun, 31 May 2009 23:25:00 +0200 http://linzerschnitte.at/items/view/2729/blogistan-panoptikum-kw22-2009